Aus der Praxis: Wie entstehen nutzerzentrierte Bildungsangebote von morgen?

Space for Innovation

Praxisbericht: Ein Strategie-Workshop im Reallabor für nachhaltiges Bauen. Wie ein Bildungsanbieter die Grundlagen für eine zukunftsorientierte Produktentwicklung schafft.

Wie kön­nen Bil­dungs­an­bie­ter Trends und Zukunfts­fra­gen sys­te­ma­tisch auf­grei­fen, bestehen­de Ange­bo­te wei­ter­ent­wi­ckeln und neue, stra­te­gi­sche The­men- und Pro­dukt­fel­der erschließen?

Das ist eine wich­ti­ge stra­te­gi­sche Fra­ge, die lei­der im Tages­ge­schäft zwi­schen Kurs­pla­nung, Kun­den­an­fra­gen und ope­ra­ti­ven Ent­schei­dun­gen häu­fig unter­geht. Dabei sind die Ant­wor­ten ent­schei­dend für das Geschäfts­mo­dell eines Bildungsdienstleisters.

Des­halb haben wir für unse­ren Stra­te­gie-Work­shop einen unge­wöhn­li­chen Ort gewählt: ein Real­la­bor für nach­hal­ti­ges Bau­en in Düs­sel­dorf. Frem­des Bran­chen­feld, frem­de Mate­ria­li­en und unbe­kann­te Her­an­ge­hens­wei­sen. Genau das war der Plan.

Denn hier wird Zukunft bereits prak­tisch ver­han­delt. Neue Bau­stof­fe und Bau­wei­sen wer­den erprobt, Annah­men über­prüft und Erfah­run­gen für die Wei­ter­ent­wick­lung genutzt. Es ist ein Ansatz und eine Her­an­ge­hens­wei­se, aus denen man beim Auf­bau einer stra­te­gi­schen Pro­dukt­ent­wick­lungs­ein­heit sowie neu­er Bil­dungs­for­ma­te eini­ges ler­nen kann.

Pfeil recht, neon grün

DER AUFTRAG AUF EINEN BLICK

  • Stra­te­gi­sche Pro­dukt­ent­wick­lung im Bildungsmarkt
  • Aus­gangs­la­ge: Ein Bil­dungs­an­bie­ter möch­te Trends und Zukunfts­fra­gen sys­te­ma­tisch in die Ent­wick­lung neu­er Bil­dungs­an­ge­bo­te übersetzen.
  • Unser Ansatz: Stra­te­gie-Work­shop mit Zukunfts- und Bran­chen­ana­ly­sen, Per­spek­tiv­wech­sel und gemein­sa­mer Strategieentwicklung.
  • Ergeb­nis: Stra­te­gi­sches Ziel­bild, prio­ri­sier­te Hand­lungs­fel­der, ers­te Road­map und kon­zep­tio­nel­le Wirkungsarchitektur.
  • Aus­blick: Ope­ra­tio­na­li­sie­rung und Erpro­bung mit Ser­vice Design und Prototyping.

Wenn Fachwissen allein nicht mehr reicht

EdTech-Unter­neh­men, E‑Lear­ning-Anbie­ter, Aka­de­mien und Bil­dungs­ver­la­ge erle­ben der­zeit, wie sehr sich der Wert von Bil­dungs­dienst­leis­tun­gen ver­schiebt. Fach­in­for­ma­tio­nen sind durch digi­ta­le Platt­for­men und gene­ra­ti­ve KI leich­ter zugäng­lich gewor­den. Damit ver­än­dern sich auch die Erwar­tun­gen an Wei­ter­bil­dung: an ihre Inhal­te, ihre For­ma­te und ihren kon­kre­ten Nutzen.

Bil­dungs­an­bie­ter ste­hen vor der Fra­ge, wel­che Ange­bo­te ihre Kun­den zukünf­tig benö­ti­gen und über wel­che Kanä­le und For­ma­te Ler­nen statt­fin­den wird. Wel­che Lern­be­dürf­nis­se ent­ste­hen und wie sich dar­aus neue Ange­bo­te ent­wi­ckeln las­sen, ist eben­falls von Inter­es­se. Auch die Ver­än­de­rung der Rol­len inner­halb einer Orga­ni­sa­ti­on im Bereich Lear­ning & Deve­lo­p­ment gewinnt an Rele­vanz: So könn­ten Füh­rungs­kräf­te mehr zu Enablern und Lern­be­glei­tern wer­den. Das hat Aus­wir­kun­gen auf das gesam­te Angebotsformat.

An »losen Infor­ma­tio­nen« fehlt es dafür sel­ten. Das Pro­dukt­ma­nage­ment kennt die Kurs­nach­fra­ge, der Ver­trieb hört die Kun­den­wün­sche, Dozie­ren­de erken­nen fach­li­che Ent­wick­lun­gen früh. Hin­zu kom­men Markt­stu­di­en, Bran­chen­ana­ly­sen und Kenn­zah­len. Jede Beob­ach­tung liegt an ihrem Platz.

Die ent­schei­den­de Fra­ge für Wei­ter­bil­dungs­an­bie­ter lau­tet daher: Wie baut man eine stra­te­gi­sche Pro­dukt­ent­wick­lung so auf, dass sie ver­läss­lich Insights lie­fert, um bestehen­de Kur­se wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und gleich­zei­tig völ­lig neue Lern­fel­der und Bil­dungs­for­ma­te zu erschließen?

Wie unfertig darf ein Bildungsangebot sein, damit wir aus ihm lernen können?

Die­se Fra­ge beglei­te­te unser Stra­te­gie-Work­shop. Im Mit­tel­punkt stand die Ent­wick­lung eines orga­ni­sa­tio­na­len Ansat­zes, der Zukunfts­be­ob­ach­tung, neue Pro­dukt­ideen und nut­zer­zen­trier­te Ent­wick­lung sys­te­ma­tisch mit­ein­an­der verbindet.

01 /​DEFINE – Zukunft ver­ste­hen, Aus­gangs­la­ge klären

Zunächst geht es dar­um, die Groß­wet­ter­la­ge zu ver­ste­hen: Was sagen Meta­stu­di­en des Zukunfts­in­sti­tuts, Ana­ly­sen rele­van­ter Bran­chen­ver­bän­de und Ent­wick­lun­gen im Bil­dungs­markt aus? Wir betrach­ten Trends sowie Mega­trends und wer­fen bewusst einen Blick auf ande­re Bran­chen: Wel­che Her­aus­for­de­run­gen beschäf­ti­gen sie? Wel­che Lösun­gen ent­ste­hen dort? Wel­che Erfah­run­gen las­sen sich übertragen?

Danach ver­bin­den wir die­se Aus­gangs­la­ge mit der Situa­ti­on des Bil­dungs­an­bie­ters: Wel­che Infor­ma­tio­nen und Kenn­zah­len wer­den bereits genutzt? Wie ent­ste­hen neue Pro­dukt­ideen? Nach wel­chen Kri­te­ri­en wer­den sie bewer­tet? Wer ent­schei­det über die Auf­nah­me ins Port­fo­lio? Dabei unter­su­chen wir auch, wel­che Auf­ga­ben zur stra­te­gi­schen Pro­dukt­ent­wick­lung gehö­ren und wo das ope­ra­ti­ve Pro­dukt­ma­nage­ment beginnt.

Aus den Erkennt­nis­sen schär­fen wir das Ziel­bild und defi­nie­ren die Anfor­de­run­gen an eine zukunfts­ori­en­tier­te Produktentwicklung.

02 /​ROADMAP – Vom Zukunfts­si­gnal zum Handlungsfeld

Mit dem Ziel­bild beginnt die Arbeit an den stra­te­gi­schen Prioritäten.

Wel­che Trends ver­än­dern das bestehen­de Port­fo­lio? Wo ent­ste­hen neue Lern­be­dürf­nis­se? Wel­che The­men könn­ten neue Ziel­grup­pen oder Geschäfts­fel­der eröffnen?

Wir betrach­ten dafür drei mit­ein­an­der ver­bun­de­ne Aufgaben:

  • Zukunfts­si­gna­le erken­nen: Rele­van­te Ent­wick­lun­gen sys­te­ma­tisch beob­ach­ten und anhand gemein­sa­mer Kri­te­ri­en bewerten.
  • Poten­zia­le erschlie­ßen: Zukunfts­si­gna­le mit Kun­den­be­dürf­nis­sen und vor­han­de­nen Kom­pe­ten­zen ver­bin­den, um neue Pro­dukt­ideen zu entwickeln.
  • Ideen erpro­ben: Annah­men früh­zei­tig mit poten­zi­el­len Nut­zern über­prü­fen, bevor umfang­rei­che Ent­wick­lungs­res­sour­cen gebun­den werden.

Dar­aus lei­ten wir prio­ri­sier­te Hand­lungs­fel­der und eine ers­te Road­map ab. Sie zeigt, wel­che Schrit­te erfor­der­lich sind, um die zukünf­ti­ge Pro­dukt­ent­wick­lung aufzubauen.

03 /​WIRKUNGSARCHITEKTUR – Wie kommt das Neue in die Organisation?

Ein Ziel­bild schafft Ori­en­tie­rung. Damit aus neu­en Ideen dau­er­haft rele­van­te Bil­dungs­an­ge­bo­te ent­ste­hen, müs­sen Infor­ma­tio­nen, Men­schen und Ent­schei­dun­gen sinn­voll zusam­men­wir­ken. Des­halb ent­wi­ckeln wir eine ers­te Wirkungsarchitektur.

Sie beschreibt auf kon­zep­tio­nel­ler Ebe­ne, wie Zukunfts­be­ob­ach­tung, stra­te­gi­sche Port­fo­li­o­ent­wick­lung, Nut­zer­be­tei­li­gung und Pro­dukt­ent­schei­dun­gen mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den kön­nen: Wie gelan­gen schwa­che Signa­le aus dem Markt zum Pro­dukt­ma­nage­ment? Wer ent­schei­det über die Erpro­bung neu­er Ideen? Wie flie­ßen Erfah­run­gen von Ler­nen­den und B2B-Kun­den in die Ent­wick­lung zurück?

Die Wir­kungs­ar­chi­tek­tur bil­det den Aus­gangs­punkt, um neue Arbeits­wei­sen in der Orga­ni­sa­ti­on zu eta­blie­ren. Sie berück­sich­tigt vor­han­de­ne Kom­pe­ten­zen, Struk­tu­ren sowie Res­sour­cen und macht sicht­bar, wo Ver­än­de­run­gen not­wen­dig sind.

Vom Strategieworkshop in die Erprobung

Der Work­shop legt die stra­te­gi­sche Grund­la­ge: ein gemein­sa­mes Ziel­bild, prio­ri­sier­te Hand­lungs­fel­der, eine ers­te Road­map und ein kon­zep­tio­nel­les Modell für die zukünf­ti­ge Produktentwicklung.

In der anschlie­ßen­den Pro­zess­be­glei­tung kann die­ses Modell mit Metho­den des Ser­vice Designs kon­kre­ti­siert wer­den. Rol­len, Abläu­fe und Schnitt­stel­len wer­den gemein­sam mit den Betei­lig­ten gestal­tet. Ers­te Ansät­ze las­sen sich pro­to­ty­pisch erpro­ben, bei­spiels­wei­se mit Pilot-Web­i­na­ren, neu­en Lern­for­ma­ten oder schlan­ken Produktkonzepten.

Auch die Fra­ge nach geeig­ne­ten Kenn­zah­len gehört dazu. Wie schnell wird aus einem Zukunfts­si­gnal ein test­ba­res Ange­bot? Wie gut grei­fen neue Pro­duk­te tat­säch­li­che Bil­dungs­be­dar­fe auf? Und wel­che Erkennt­nis­se flie­ßen zurück in die wei­te­re Portfolioentwicklung?

Die Zukunft beginnt mit einer anderen Arbeitsweise

Einen Tag lang haben wir die gewohn­ten Per­spek­ti­ven ver­las­sen und die Pro­dukt­ent­wick­lung aus einem ande­ren Blick­win­kel betrachtet.

Das Real­la­bor hat dabei eine Hal­tung erfahr­bar gemacht, die für die zukünf­ti­ge Bil­dungs­ent­wick­lung ent­schei­dend ist: Ideen früh­zei­tig aus­pro­bie­ren, aus Erfah­run­gen ler­nen und neue Lösun­gen schritt­wei­se weiterentwickeln.