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Service Design Thinking für Innovation und Organisationsentwicklung

Warum Service Design Innovation in der Organisation verankert

Habt ihr euch schon ein­mal in einem wich­ti­gen, abtei­lungs­über­grei­fen­den Pro­jekt an dem Punkt befun­den, an dem trotz bes­ter Absich­ten und wochen­lan­ger Arbeit plötz­lich alles fest­ge­fah­ren und aus­sichts­los schien? In mei­nen Bera­tungs­pro­jek­ten erle­be ich sol­che Situa­tio­nen immer wie­der – aber auch, wie sie sich mit Ser­vice-Design lösen lassen.

Aus der Praxis

Erst kürz­lich ent­schied sich ein mit­tel­stän­di­sches Unter­neh­men dazu, sei­nen Kun­den­ser­vice durch die Inte­gra­ti­on eines moder­nen CRM-Sys­tems grund­le­gend zu opti­mie­ren. Zu die­sem Zweck wur­de ein Team aus Fach­ex­per­ten ver­schie­de­ner Abtei­lun­gen zusam­men­ge­stellt. Die Geschäfts­füh­rung hat zudem kla­re stra­te­gi­sche Zie­le for­mu­liert. Das neue Sys­tem soll die Kun­den­bin­dung struk­tu­rie­ren, die Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­ein­heit­li­chen, Rol­len klä­ren und letzt­lich die Kos­ten sen­ken sowie die Erträ­ge stei­gern. Zu Beginn war eine ech­te Auf­bruch­stim­mung spür­bar. Gemein­sam mach­ten wir uns an die Arbeit, ana­ly­sier­ten den Ist-Zustand, iden­ti­fi­zier­ten vor­han­de­ne Rei­bungs­punk­te und defi­nier­ten Kri­te­ri­en für einen guten Umsetzungsplan.

Doch nach weni­gen Mona­ten geriet das Vor­ha­ben ins Sto­cken. Die anfäng­li­che Dyna­mik wich einer läh­men­den Detail­ar­beit. Plötz­lich dreh­ten sich die Dis­kus­sio­nen nur noch um die Qua­li­tät der vor­han­de­nen Daten­be­stän­de, die ein­zu­hal­ten­den regu­la­to­ri­schen Vor­ga­ben des Daten­schut­zes, kom­ple­xe Sys­tem­ar­chi­tek­tu­ren und die genaue Abgren­zung von Ver­ant­wort­lich­kei­ten. Die eigent­li­che Auf­ga­ben­stel­lung und das Ziel tra­ten in den Hin­ter­grund, wäh­rend sich das Pro­jekt in Detail­fra­gen sprich­wört­lich verhedderte.

In der Komplexitäts-Falle

Die­se Ent­wick­lung kommt häu­fi­ger vor, als man denkt. In den wenigs­ten Fäl­len ist sie das Resul­tat man­geln­der Ver­än­de­rungs­be­reit­schaft oder feh­len­den Enga­ge­ments. Mei­ner Beob­ach­tung nach sind sie viel­mehr eine Reak­ti­on auf die tief­grei­fen­de Kom­ple­xi­tät moder­ner Organisationen. 

Die ver­schie­de­nen Fach­be­rei­che betrach­ten das­sel­be Vor­ha­ben zwangs­läu­fig aus ihrer spe­zi­fi­schen Per­spek­ti­ve: Die IT-Abtei­lung bewer­tet die tech­ni­sche Mach­bar­keit, der Daten­schutz prüft regu­la­to­ri­sche Anfor­de­run­gen, der Ver­trieb for­dert Fle­xi­bi­li­tät und einen hohen Mobi­li­täts­grad in der Anwen­dung, die Füh­rung kal­ku­liert Risi­ken und die ope­ra­ti­ven Ein­hei­ten for­dern pra­xis­taug­li­che Abläu­fe. Mei­ner Erfah­rung nach ver­su­chen die Akteu­re, auf die­se kom­ple­xen Wech­sel­wir­kun­gen mit linea­ren Vor­ge­hens­wei­sen zu reagie­ren. Doch moder­ne orga­ni­sa­tio­na­le Her­aus­for­de­run­gen las­sen sich immer sel­te­ner in ein­fa­che Sche­ma­ta nach dem Wenn-Dann-Prin­zip pressen.

Was ist Service Design?

Die Pio­nie­rin des Ser­vice Designs in Deutsch­land, Pro­fes­so­rin Bir­git Mager, hat vor etwa 30 Jah­ren an der KISD einen eige­nen Stu­di­en­gang zu die­sem The­ma ent­wi­ckelt. Sie beschreibt es wie folgt: „Ser­vice Design ist ein sys­te­ma­ti­scher Pro­zess zur Ent­wick­lung von Ideen und Kon­zep­ten für die Zukunft, die dann ite­ra­tiv in Pro­to­ty­pen umge­setzt und getes­tet wer­den. Ser­vice Designer:innen sind nicht not­wen­di­ger­wei­se die Expert:innen für die Lösung, oft sind sie die Vermittler:innen von Gesprä­chen, die zu den best­mög­li­chen Lösun­gen inner­halb kom­ple­xer Sys­te­me führen. “

Ich kann mich die­ser Defi­ni­ti­on nur anschlie­ßen. Ich beschrei­be Ser­vice Design ger­ne als ist eine Art „Über­set­zungs­dis­zi­plin“ und schafft ein gemein­sa­mes Ver­ständ­nis dar­über, wel­ches Pro­blem eine Orga­ni­sa­ti­on eigent­lich lösen möch­te und wel­che Erfah­run­gen Men­schen ent­lang eines Ser­vices tat­säch­lich machen, um anschlie­ßend aus allen Berei­chen Ant­wor­ten bei­zu­steu­ern für das best­mög­li­che Ergebnis.

Die­ser Per­spek­tiv­wech­sel wirkt zunächst unschein­bar oder gar tri­vi­al. Doch die Ein­fluss­fel­der spre­chen für sich.

Ser­vice-Design hat vie­le Vor­tei­le und

  • Opti­miert Arbeit- und Kundenprozesse
  • Stei­gert die Mit­ar­bei­ter- und Kundenzufriedenheit
  • Erwei­tert die Absatz- und Vertriebskanäle
  • Ent­wi­ckelt neue Kundengruppen
  • Beglei­tet Teams mit nut­zer­zen­trier­tem Blick

Was Service Design für eure Innovation leistet

In der Pra­xis wird Ser­vice Design meist mit der Gestal­tung von Cus­to­mer Jour­neys oder Benut­zer­ober­flä­chen von E‑Learnings und Web­sei­ten in Ver­bin­dung gebracht. Die­se Zuschrei­bung wird der Dis­zi­plin jedoch nicht gerecht.

Denn jede Ver­än­de­rung eines Kun­den­ser­vices betrifft unwei­ger­lich die dahin­ter­ste­hen­de Orga­ni­sa­ti­on, die Res­sour­cen bereit­stel­len, Kom­pe­ten­zen anpas­sen und Pro­zes­se kon­ti­nu­ier­lich wei­ter­ent­wi­ckeln muss. Denn ein Ser­vice ist immer nur so gut wie die inter­nen Abläu­fe, die ihn ermög­li­chen. Genau hier set­ze ich in mei­ner Arbeit an, denn Inno­va­tions- und Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung sind untrenn­bar mit­ein­an­der verwoben.

Strategische Vorteile von Service Design

Wenn wir Ser­vice Design tie­fer in Struk­tu­ren eurer Orga­ni­sa­ti­on ver­an­kern, ent­fal­tet es eine Rei­he stra­te­gi­scher Vor­tei­le, die über die rei­ne Pro­dukt­ge­stal­tung hinausgehen.

  • Silos über­brü­cken und gemein­sa­mes Ver­ständ­nis schaf­fen: Ser­vice Design fun­giert als Über­set­zungs­dis­zi­plin. In mei­ner Arbeit brin­ge ich bei­spiels­wei­se Men­schen aus den Berei­chen IT, Betrieb, Daten­schutz und Manage­ment an einen Tisch. Indem wir die rea­le Erfah­rung der Nut­zer in den Mit­tel­punkt stel­len, schaf­fen wir den eine gemein­sa­me Spra­che und mini­mie­ren Rei­bungs­ver­lus­te an inter­nen Schnittstellen.
  • Mit­ar­bei­ter- und Kun­den­zu­frie­den­heit syn­chro­ni­sie­ren: Ein neu­er digi­ta­ler Ser­vice funk­tio­niert nur, wenn Teams die­sen im All­tag auch rea­li­sie­ren und mana­gen kön­nen. Ich bli­cke glei­cher­ma­ßen auf das Kun­den­er­leb­nis (Fronts­ta­ge) und auf die Pro­zes­se der Mit­ar­bei­ten­den (Back­stage). Das redu­ziert Frus­tra­ti­on auf bei­den Seiten.
  • Risi­ken durch frü­hes Pro­to­ty­p­ing mini­mie­ren: Anstatt mona­te­lang Spe­zi­fi­ka­tio­nen im luft­lee­ren Raum zu schrei­ben, machen wir Ideen schnell als Pro­to­ty­pen anfass­bar. Feh­ler fal­len im geschütz­ten Rah­men auf, bevor gro­ße Bud­gets in IT-Infra­struk­tu­ren fließen.
  • Zukunfts­fä­hig­keit und neue Kanä­le erschlie­ßen: Die ganz­heit­li­che Per­spek­ti­ve hilft dabei, blin­de Fle­cken in eurer Orga­ni­sa­ti­on auf­zu­de­cken. Dadurch las­sen sich neue Absatz­we­ge, ver­än­der­te Kun­den­grup­pen und inno­va­ti­ve Ser­vice­mo­del­le sys­te­ma­tisch ableiten.
InnovationLearningLoop in der praktischen Anwendung - innospring

Die Verankerung im System: Der Innovation Learning Loop

Mit dem Inno­va­ti­on Lear­ning Loop (ILL) schlie­ßen wir bei inno­spring die Lücke zwi­schen Metho­dik und eurer orga­ni­sa­tio­na­len Rea­li­tät. Wir lösen den Wider­spruch zwi­schen geord­ne­ten Werk­zeu­gen und unge­ord­ne­ten Sys­te­men auf, indem wir Inno­va­ti­on als kon­ti­nu­ier­li­chen, ite­ra­ti­ven Lern­pro­zess begrei­fen. Der Loop basiert auf vier sich wie­der­ho­len­den Pha­sen, durch die ich euch begleite:

  1. Erfah­ren: Am Anfang steht das unmit­tel­ba­re Erle­ben der Ist-Situa­ti­on aus der Sicht eurer Nut­zen­den und Mit­ar­bei­ten­den. Wir sam­meln rea­le Erfah­run­gen an den ech­ten Bruchstellen.
  2. Reflek­tie­ren: Die gewon­ne­nen Ein­drü­cke spie­geln wir im abtei­lungs­über­grei­fen­den Team. Durch den Aus­tausch unter­schied­li­cher Per­spek­ti­ven wer­den fest­ge­fah­re­ne Denk­mus­ter aufgebrochen.
  3. Ver­ste­hen: Aus der Refle­xi­on wächst ein tie­fe­res, sys­te­mi­sches Ver­ständ­nis für die eigent­li­chen Ursa­chen von Pro­ble­men. Hier for­mu­lie­ren wir Hypo­the­sen, wie Tech­no­lo­gie, Pro­zes­se und mensch­li­che Bezie­hun­gen bes­ser inein­an­der­grei­fen können.
  4. Aus­pro­bie­ren: Im geschütz­ten Raum wagen wir klei­ne, mess­ba­re Expe­ri­men­te. Wir tes­ten Pro­to­ty­pen, pas­sen sie an oder ver­wer­fen sie. Die gewon­ne­nen Erkennt­nis­se flie­ßen direkt als neue Erfah­run­gen in den nächs­ten Durch­lauf des Loops ein.

Fazit

Durch die­sen fort­lau­fen­den Kreis­lauf wird Ver­än­de­rung besprech­bar und ver­liert ihren bedroh­li­chen Cha­rak­ter. Neue Tech­no­lo­gien wie künst­li­che Intel­li­genz oder ver­än­der­te Markt­an­for­de­run­gen wer­den nicht mehr als stö­ren­de Fremd­kör­per, son­dern als Impul­se für den nächs­ten gemein­sa­men Lern­schritt wahr­ge­nom­men. Ser­vice Design lie­fert uns die ent­spre­chen­den Werk­zeu­ge und die Hal­tung. Unser Inno­va­ti­on Lear­ning Loop bie­tet euch den struk­tu­rel­len Rah­men, um die­se Inno­va­ti­ons­kraft dau­er­haft in den Rou­ti­nen eurer Orga­ni­sa­ti­on zu verankern.