10 Prinzipien für gute Projektarbeit in Inno-Teams
Ein Praxisbericht
Ein großer Kunde stand vor einer zentralen Herausforderung: Die Organisation sollte sich stärker in Richtung Kundenzentrierung entwickeln. Es ging darum, neue Produkte oder Services zu schaffen, die sich insbesondere an den Bedürfnissen der Nutzer orientieren sollten. Die Organisation musste umdenken und auch interne Prozesse hinterfragen, anpassen und eine neue Lernkultur etablieren.
Dafür wurde ein Inno-Team zusammengestellt – interdisziplinär, mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Produktentwicklung, Vertrieb, IT, Marketing und Service. Die Idee: Perspektivenvielfalt nutzen, um gemeinsam etwas Neues zu schaffen.
Der Anfang: Unsicherheit und Energie
Wie so oft bei Projektstarts war die Stimmung eine Mischung aus Neugier und Unsicherheit. Manche hatten schon Innovationserfahrung, andere standen zum ersten Mal in einem solchen Projekt. Schnell wurde klar: Bevor wir inhaltlich loslegen, brauchen wir ein gemeinsames Fundament, wie wir als Team zusammenarbeiten wollen.
Inspiration aus der Kunst
Anfang der 1990er Jahre stießen die Schweizer Künstler Fischli & Weiss in einer Keramikfabrik in Thailand auf ein unscheinbares, handgeschriebenes Plakat. Darauf standen zehn einfache Regeln für gutes Arbeiten. Statt es als banale Fabrikweisheit abzutun, machten Fischli/Weiss daraus ein Kunstwerk. Unter dem Titel „How to Work Better“ zeigten sie die Regeln großflächig in Museen und an Gebäudefassaden – zuerst 1991 in Zürich, später 2016 auf einem Wolkenkratzer in New York.
Die 10 einfachen Sätze wirkten zunächst fast banal, doch sie sprachen genau die Fragen an, die uns beschäftigten: Wie starten wir richtig? Wie gehen wir mit Fehlern um? Wie schaffen wir es, dranzubleiben?
Wir haben eine kleine Änderung am Ursprungstext des Plakats vorgenommen. Anstelle von „Regeln” sprechen wir nun von den „10 Prinzipien”, die uns in unserer Innovationsarbeit leiten und zu denen wir uns commitet haben.
Die 10 Arbeitsprinzipien für gute Zusammenarbeit
1.. Fokus statt Verzettelung
„Tue eine Sache nach der anderen“ half uns, den Berg an Ideen und Prozessfragen zu strukturieren. Statt alles gleichzeitig anzugehen, entschieden wir uns bewusst für klare Prioritäten. Das gab uns Orientierung – und machte Fortschritt sichtbar.
2.. Einfach starten
„Tue es einfach“ bedeutete für uns: Lieber kleine, schnelle Prototypen in den Fachbereichen aufsetzen, statt lange Konzepte zu schreiben. Das machte Kundenzentrierung sofort erlebbar.
3.. Momentum aufbauen
„Beginne sofort“ war ein Befreiungsschlag. Schon im Kick-off testeten wir mit echten Nutzer:innen erste Hypothesen. Das schuf Energie – und zeigte allen, dass es uns ernst war.
4.. Verbindlichkeit schaffen
„Wenn du beginnst, beginne ernsthaft“ führte zu einem offenen Commitment: Jede:r im Team brachte ein, wie viel Zeit er oder sie investieren kann – und wo Unterstützung gebraucht wird. So entstand Verlässlichkeit.
5.. Fehler als Lernchance
„Jeder Fehler ist ein Fortschritt“ wurde zu einem Leitgedanken. Als ein erster Prozess-Testlauf scheiterte, nutzten wir die Gelegenheit, um mit den beteiligten Kund:innen zu sprechen. Das Feedback war Gold wert.
6.. Dranbleiben trotz Widerständen
„Gib nicht auf“ war wichtig, als erste Abteilungen skeptisch reagierten. Wir lernten: Kulturwandel braucht Beharrlichkeit – und kleine, sichtbare Erfolge, die überzeugen.
7.. Wert in Routinen erkennen
„Wenn es langweilig ist, mach weiter“ erinnerte uns daran, dass Kundenzentrierung nicht nur in Workshops passiert. Die Auswertung von Kundenfeedback oder Prozessdaten war manchmal mühsam, aber entscheidend.
8.. Nebensächliches ernst nehmen
„Mach das Unwichtige wichtig“ half uns, auch auf kleine Signale zu achten. Eine beiläufige Bemerkung aus dem Kundenservice führte uns zu einer wichtigen Prozessänderung.
9.. Ego zurücknehmen
„Nimm dich nicht zu wichtig“ war für uns die Basis, um Selbstorganisation zu leben. Alle Stimmen im Team zählten gleich – vom IT-Spezialisten bis zur Service-Mitarbeiterin.
10.. Zuhören als Schlüssel
„Lerne zuhören“ wurde schnell zur wichtigsten Regel. Erst durch echtes Zuhören – intern im Team wie auch extern bei Kund:innen – konnten wir verstehen, was wirklich gebraucht wird.
Das gemeinsame Commitment
Am Ende unseres Kick-Offs hatten wir die Prinzipien (Regeln) von Fischli & Weiss an der Wand hängen – ergänzt mit unseren eigenen Beispielen. Das war unser Team-Commitment: kein starres Regelwerk, sondern lebendige Prinzipien, die uns halfen, gemeinsam Kundenzentrierung Schritt für Schritt in die Organisation zu tragen.
Heute, ein paar Monate später, sind diese Sätze immer noch unser Bezugspunkt. Sie helfen uns, wenn wir auf Hindernisse stoßen, und erinnern uns daran, warum wir dieses Projekt gestartet haben: Weil wir die Perspektive der Kund:innen ernst nehmen wollen.
Fazit
Dieses Projekt zeigt: Kundenzentrierung entsteht nicht durch ein Konzeptpapier, sondern durch Menschen, die lernen, zuhören und gemeinsam handeln. Die Regeln von Fischli & Weiss haben uns dabei nicht nur inspiriert, sondern ganz praktisch unterstützt, als interdisziplinäres Team zusammenzufinden und ins Rollen zu kommen.