Innovationsentwicklung verändert nie nur Produkte

Innovationsentwicklung braucht organisationales Verständnis für Veränderung_InnovationLearningLoop

Warum Innovations- und Organisationsprozesse zusammen gedacht werden sollten

Vie­le Orga­ni­sa­tio­nen, z.B. Bil­dungs­dienst­leis­ter inves­tie­ren der­zeit inten­siv in Inno­va­ti­on. Neue Pro­dukt­li­ni­en ent­ste­hen, KI-Anwen­dun­gen wer­den getes­tet, digi­ta­le Ange­bo­te wei­ter­ent­wi­ckelt und Ser­vices neu gedacht.

Zunächst ent­steht dabei viel posi­ti­ve Bewe­gung. Pro­jek­te star­ten schnell, Teams expe­ri­men­tie­ren, neue Ideen wer­den sicht­bar. Von außen wir­ken die­se Vor­ha­ben stark und innovativ. 

Fragen, die lauter werden - Spannungen, die zunehmen

Doch im Ver­lauf neh­men die Her­aus­for­de­run­gen und Span­nun­gen deut­lich zu. Und eini­ge Mona­te spä­ter sieht die Rea­li­tät häu­fig anders aus.

Dann ent­ste­hen Fra­gen, die im Inno­va­ti­ons­pro­zess zunächst kaum rele­vant erschienen:

  • Wel­che Ent­schei­dun­gen müs­sen plötz­lich neu abge­stimmt werden?
  • Wie rea­lis­tisch sind die aktu­el­len Erfolgschancen?
  • Wie ver­än­dern sich Rol­len im Team?
  • Wel­che Arbeits­wei­sen funk­tio­nie­ren nicht mehr?
  • Und wie geht die Orga­ni­sa­ti­on damit um, wenn neue Anfor­de­run­gen schnel­ler ent­ste­hen als gemein­sa­me Orientierung?

Gera­de beim Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gien wie KI lässt sich das der­zeit in vie­len Orga­ni­sa­tio­nen beobachten.

Wenn zum Bei­spiel ein Pro­dukt­ent­wick­ler­team neue Tools für Recher­che, Con­tent­pro­duk­ti­on oder Kon­zep­ti­on tes­tet dann tre­ten Ver­schie­bun­gen ein: Nach kur­zer Zeit ver­än­dern sich nicht nur Pro­zes­se, son­dern auch Erwar­tun­gen. Qua­li­täts­stan­dards müs­sen neu geklärt wer­den. Ver­ant­wort­lich­kei­ten brau­chen eine neue Klä­rung. Man­che Mit­ar­bei­ten­de arbei­ten expe­ri­men­tell und schnell, ande­re benö­ti­gen mehr Sta­bi­li­tät und Orientierung.

Die eigent­li­che Her­aus­for­de­rung liegt dann häu­fig nicht mehr in der Tech­no­lo­gie selbst. Son­dern dar­in, wie gut die Orga­ni­sa­ti­on die dar­aus ent­ste­hen­de Ver­än­de­rung auf­neh­men und wei­ter­ent­wi­ckeln kann.

Neu ist dabei ist eher die Geschwin­dig­keit in der Ver­än­de­rung statt­fin­det und Orga­ni­sa­tio­nen dar­auf reagie­ren müssen.

Innovationen scheitern selten an Ideen

Vie­le Unter­neh­men ver­fü­gen über aus­rei­chend Inno­va­ti­ons­wis­sen, Metho­den­kom­pe­tenz und krea­ti­ve Ideen. Neue Ange­bo­te, Ser­vice oder Pro­duk­te zu ent­wi­ckeln gehört sogar zu ihrer Kernkompetenz.

Es wird dann schwie­ri­ger, wenn Inno­va­ti­ons­pro­zes­se begin­nen, bestehen­de Rou­ti­nen zu stres­sen und zu ver­än­dern. Wenn fest­ge­fah­re­ne Rou­ti­nen den Fort­schritt ver­meint­lich verhindern.

Denn neue Tech­no­lo­gien kön­nen plötz­lich den Work­flow eines gan­zen Geschäfts­pro­zes­ses ver­än­dern. Oder agi­le Pro­jekt­lo­gi­ken tref­fen auf bestehen­de Ent­schei­dungs­we­ge. Und Teams sol­len expe­ri­men­tie­ren und gleich­zei­tig ope­ra­ti­ve Sta­bi­li­tät sichern.

Die­se Span­nun­gen ent­ste­hen nicht durch Absicht oder Wider­stand gegen Ver­än­de­rung. Häu­fig ent­ste­hen sie dadurch, dass Orga­ni­sa­tio­nen unter­schied­li­che Geschwin­dig­kei­ten gleich­zei­tig ver­ar­bei­ten müssen.

Wäh­rend Inno­va­ti­ons­pro­jek­te Dyna­mik erzeu­gen, blei­ben ande­re Berei­che wei­ter­hin auf Sicher­heit, Plan­bar­keit oder Effi­zi­enz aus­ge­rich­tet — teil­wei­se auch, weil gesetz­li­che Vor­ga­ben oder exter­ne Kos­ten­trä­ger enge Rah­men setzen.

Dadurch ent­ste­hen Reibungen:

  • zwi­schen Ent­wick­lung und Tagesgeschäft,
  • zwi­schen Expe­ri­men­tie­ren und Absicherung,
  • oder zwi­schen neu­en Mög­lich­kei­ten und bestehen­den Strukturen.

Aber genau an die­sen Schnitt­stel­len ent­schei­det sich, ob Inno­va­ti­on lang­fris­tig Wir­kung ent­fal­ten kann.

Innovation erzeugt immer auch Anpassungsdruck

Inno­va­ti­ons­ent­wick­lung bleibt sel­ten auf neue Pro­dukt- und Ser­vice­ent­wick­lung begrenzt.

Sobald sich Ange­bo­te, Tech­no­lo­gien oder Markt­an­for­de­run­gen ver­än­dern, ver­än­dert sich meist auch die Orga­ni­sa­ti­on selbst. Zusam­men­ar­beit ver­schiebt sich. Ent­schei­dungs­pro­zes­se ver­än­dern sich. Neue Kom­pe­ten­zen wer­den rele­vant. Bestehen­de Rou­ti­nen ver­lie­ren an Stabilität.

Trotz­dem betrach­ten vie­le Orga­ni­sa­tio­nen Inno­va­tions- und Trans­for­ma­ti­ons­ent­wick­lung wei­ter­hin getrennt. Inno­va­ti­on wird als Pro­jekt gesteu­ert. Trans­for­ma­ti­on erscheint spä­ter als kul­tu­rel­le oder orga­ni­sa­to­ri­sche Auf­ga­be. In der Pra­xis funk­tio­niert die­se Tren­nung nicht. Es ist kei­ne Sel­ten­heit, dass sich die Orga­ni­sa­ti­on selbst mit­ten im Inno­va­ti­ons­pro­zess verändert.

Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet des­halb weni­ger: „Wie ent­wi­ckeln wir Inno­va­tio­nen?“
Son­dern es braucht auch zuneh­mend eine Per­spek­ti­ve auf die Fra­ge: „Wie ent­wi­ckeln wir aus­rei­chend orga­ni­sa­tio­na­le Anpas­sungs­fä­hig­keit, um unter die­sen Bedin­gun­gen inno­va­tiv und hand­lungs­fä­hig zu bleiben?“

Adaptionsfähigkeit wird zum strategischen Faktor

Auch in der Zukunfts­for­schung wächst die Auf­merk­sam­keit für Orga­ni­sa­tio­nen, die mit per­ma­nen­ter Ver­än­de­rung adap­tiv umge­hen kön­nen. Zukunfts­fä­hig­keit ent­steht dabei weni­ger über ein­zel­ne Inno­va­ti­ons­pro­jek­te als über die Fähig­keit, Ver­än­de­run­gen kon­ti­nu­ier­lich auf­zu­neh­men, ein­zu­ord­nen und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Eine Orga­ni­sa­ti­on muss auch ler­nen, sich auf einen per­ma­nen­ten Beta-Modus ein­zu­las­sen und adap­ti­ons­fä­hig zu werden.

Gera­de Bil­dungs­dienst­leis­ter ste­hen hier vor einer beson­de­ren Situa­ti­on. Mit ihren Dienst­leis­tun­gen und Pro­duk­ten unter­stüt­zen sie ande­re Orga­ni­sa­tio­nen dabei, inno­va­ti­ver und wett­be­werbs­fä­hi­ger zu sein. Gleich­zei­tig müs­sen sie ihre eige­ne orga­ni­sa­tio­na­le Anpas­sungs­fä­hig­keit wei­ter­ent­wi­ckeln — teil­wei­se sogar ihre Geschäfts­mo­del­le neu denken.

In der täg­li­chen Pra­xis lässt sich das gut beob­ach­ten. Neue Tools wer­den ein­ge­führt, ohne dass Rol­len bereits geklärt sind. Inno­va­ti­ons­teams ent­wi­ckeln neue Ange­bo­te, wäh­rend bestehen­de Pro­zes­se unver­än­dert blei­ben. Füh­rungs­kräf­te sol­len Ori­en­tie­rung geben, obwohl sich Rah­men­be­din­gun­gen per­ma­nent verschieben.

Vie­le Orga­ni­sa­tio­nen reagie­ren dar­auf mit noch mehr Pro­jek­ten, Abstim­mun­gen oder Meetings.

In Wirk­lich­keit braucht es etwas ande­res: ein gemein­sa­mer Raum, um Ver­än­de­run­gen über­haupt besprech­bar und ein­ord­bar zu machen.

InnovationLearningLoop in der praktischen Anwendung - innospring

Der Innovation Learning Loop als strategischer Sparringsraum

Der Inno­va­ti­on Lear­ning Loop setzt genau an die­ser Schnitt­stel­le an. Der Ansatz ver­bin­det Inno­va­ti­ons­pro­zes­se mit orga­ni­sa­tio­na­lem Ler­nen und stra­te­gi­schem Sparring.

Dabei geht es weni­ger um die iso­lier­te Ent­wick­lung ein­zel­ner Lösun­gen als um die Fra­ge, wie Orga­ni­sa­tio­nen Ver­än­de­rung gemein­sam ver­ar­bei­ten und wei­ter­ent­wi­ckeln können.

Das betrifft Situationen,

  • in denen Inno­va­ti­ons­pro­jek­te bestehen­de Rol­len­bil­der infra­ge stellen,
  • neue Tech­no­lo­gien Unsi­cher­heit erzeugen,
  • oder Teams zwi­schen Tages­ge­schäft und Ent­wick­lungs­dy­na­mik unter Druck geraten.

Stra­te­gi­sches Spar­ring schafft dafür Refle­xi­ons- und Ent­wick­lungs­räu­me. Unter­schied­li­che Per­spek­ti­ven kön­nen ver­bun­den, Span­nun­gen sicht­bar und orga­ni­sa­tio­na­le Dyna­mi­ken gemein­sam les­bar wer­den. In einem Spar­ring geht es um die Stär­kung von Pro­blem­lö­sungs­kom­pe­tenz und um Unter­stüt­zung für Orga­ni­sa­tio­nen, die ihre Inno­va­tions- und Anpas­sungs­fä­hig­keit bewusst wei­ter­ent­wi­ckeln möchten.

Denn Inno­va­ti­on ent­fal­tet lang­fris­tig erst dann Wir­kung, wenn Orga­ni­sa­tio­nen die dar­aus ent­ste­hen­de Ent­wick­lung auf­neh­men, wei­ter­füh­ren und in ihre eige­ne Arbeits­rea­li­tät inte­grie­ren können.