Reserve Mentoring: Lernen im Dialog

Warum lohnt sich ein Reserve-Mentoring Programm?

Vie­le Unter­neh­men ste­hen der­zeit vor der Her­aus­for­de­rung, dass erfah­re­ne Mit­ar­bei­ten­de kurz vor ihrem Ren­ten­ein­tritt ste­hen. Damit wird in abseh­ba­rer Zeit auch ein Schatz an Erfah­rungs­wis­sen das Unter­neh­men ver­las­sen. Was kann ein Unter­neh­men bereits im Vor­feld tun, um die­sen Wis­sens- und Erfah­rungs­schatz zu heben? Ein span­nen­der Ansatz, der mit ver­hält­nis­mä­ßig wenig Auf­wand umsetz­bar ist, ist das Reser­ve Men­to­ring.

Was ist Reserve Mentoring?

Reser­ve Men­to­ring“ ist ein Kon­zept aus der Per­so­nal- und Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung, bei dem die klas­si­sche Men­to­ring-Rol­le umge­dreht wird: Nicht eine älte­re, erfah­ren Füh­rungs­kraft coacht die jün­ge­re Per­son,
son­dern jün­ge­re Mit­ar­bei­ten­de (oft Digi­tal Nati­ves) beglei­ten älte­re oder erfah­re­ne­re Kolleg:innen, ins­be­son­de­re Führungskräfte.

Das klingt im ers­ten Moment etwas unge­wöhn­lich, aber die Wir­kung, die dadurch erzielt wird, hat wirk­lich einen posi­ti­ven Ein­fluss auf eine Ler­nen­de Organisation.

War­um hat das Reser­ve Men­to­ring so einen posi­ti­ven Impact?

Rever­se Men­to­ring för­dert den gegen­sei­ti­gen Wis­sens­aus­tausch, beson­ders in Berei­chen, in denen sich die Welt schnell ver­än­dert, z. B.:

  • Digi­ta­li­sie­rung und neue Technologien
  • Social Media und moder­ne Kommunikation
  • Diver­si­tät, Wer­te­wan­del, neue Arbeitskulturen
  • Nach­hal­tig­keit und gesell­schaft­li­che Trends

Das hat den Vor­teil, dass Füh­rungs­kräf­te von den Per­spek­ti­ven und Kom­pe­ten­zen der jün­ge­ren Gene­ra­ti­on ler­nen, wäh­rend die Jün­ge­ren gleich­zei­tig Ein­bli­cke in Manage­ment, Stra­te­gie und Unter­neh­mens­kul­tur gewinnen.

Drei Bei­spie­le, wie Rever­se Men­to­ring impli­zi­tes Wis­sen „hebt“

Nach­fol­gend wer­den drei Bei­spie­le skiz­ziert, die zei­gen, wie Reser­ve Men­to­ring impli­zit das Erfah­rungs­wis­sen hebt und so trans­for­ma­ti­ves Ler­nen statt­fin­den kann.

1. Wis­sen durch Dia­log statt Dokumentation

Erfah­rungs­wis­sen wird oft durch Refle­xi­ons­ge­sprä­che sicht­bar – also indem man über Situa­tio­nen, Ent­schei­dun­gen oder Dilem­ma­ta spricht.
Im Rever­se Men­to­ring-Set­ting (z. B. regel­mä­ßi­ge Gesprä­che zwi­schen Jün­ge­ren und Älte­ren) kann genau das passieren:

  • Der oder die Jün­ge­re stellt geziel­te Fra­gen („Wie hast du damals ent­schie­den, als…?“).
  • Die erfah­re­ne Per­son muss das eige­ne Han­deln reflek­tie­ren und ver­ba­li­sie­ren. Dadurch wird intui­ti­ves Wis­sen expli­zit gemacht, weil es in Wor­te gefasst wird.

Bei­spiel:
„Wie hast du erkannt, dass ein Pro­jekt gefähr­det ist, obwohl die Kenn­zah­len noch gut aussahen?“

Auch kön­nen Sto­rytel­ling-Ansät­ze hel­fen, mehr vom Erfah­rungs­wis­sen zu partizipieren.

Bei­spiel:

„Was waren damals die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen, als ihr die Bran­chen­kri­se gemein­sam meis­tern musstet?

2. Gemein­sa­mes Arbei­ten an rea­len Fäl­len

Statt über Wis­sen direkt zu spre­chen, lässt sich gut an gemein­sam rea­le Auf­ga­ben arbeiten:

  • Die älte­re Per­son erklärt ihr Vor­ge­hen Schritt für Schritt.
  • Der Jün­ge­re fragt kri­tisch nach („War­um genau­so?“).
    So ent­steht ein leben­di­ger Wis­sens­trans­fer, der pra­xis­nah und ver­an­kert ist.

3. Psy­cho­lo­gi­sche Sicher­heit und Wertschätzung

Wich­tig: Vie­le älte­re Mit­ar­bei­ten­de glau­ben, ihr Wis­sen sei „nicht doku­men­tier­bar“ oder „selbst­ver­ständ­lich“. Rever­se Men­to­ring funk­tio­niert beson­ders gut, wenn der Aus­tausch wert­schät­zend und auf Augen­hö­he stattfindet.

Wenn die Jün­ge­ren ech­tes Inter­es­se zei­gen, wirk­lich zuhö­ren, Fra­gen stel­len, um den Kon­text bes­ser ken­nen­zu­ler­nen, und ver­su­chen, die Schrit­te oder Ent­schei­dun­gen der älte­ren Per­son nach­zu­voll­zie­hen, ist dies beson­ders effektiv.

Das moti­viert Älte­re, ihr Wis­sen zu tei­len, auch wenn es nicht for­mell fest­ge­hal­ten wird.

Fazit:

Rever­se Men­to­ring ist kein Ersatz für fak­ti­sches Wis­sens­ma­nage­ment, son­dern eine Ergän­zung, die die Per­spek­ti­ve des Erfah­rungs- und impli­zi­ten Wis­sens ein­be­zieht. Gera­de in einer kom­ple­xen Welt, in der stan­dar­di­sier­te Ant­wor­ten immer sel­te­ner die Lösung sind, wird die­se Per­spek­ti­ve immer wichtiger.

Rever­se Men­to­ring schafft die Rah­men­be­din­gun­gen, in denen impli­zi­tes Erfah­rungs­wis­sen durch Dia­log, Refle­xi­on und Bezie­hung sicht­bar wird.