Serendipity: Was Entwicklung braucht!

Serendipity als bewusste Strategie für Kreativität und Innovation nutzen

Serendipity: Warum neue Ideen selten im nahen Arbeitsumfeld entstehen

Wie soll ich etwas ver­än­dern und neu gestal­ten, wenn ich mir etwas grund­le­gend ande­res kaum vor­stel­len kann? Die­se Fra­ge stel­len sich vie­le Beschäf­tig­te, wenn sie die Auf­for­de­rung erhal­ten, die Inno­va­tions- und Zukunfts­fä­hig­keit ihrer Teams zu erhö­hen und über den Tel­ler­rand zu schau­en. In vie­len Orga­ni­sa­tio­nen höre ich genau die­se Appel­le. Hier könn­te Seren­di­pi­ty, ein glück­li­cher Zufall, helfen.

Im eigenen Saft schmoren

Der Wunsch nach Inno­va­ti­on ist groß. Gleich­zei­tig bewe­gen sich Gedan­ken, Dis­kus­sio­nen und Lösungs­an­sät­ze in ver­trau­ten Bah­nen. Es ist völ­lig nor­mal, dass Men­schen auf das zurück­grei­fen, was sie ken­nen, was sich bewährt hat und was inner­halb der bestehen­den Logik gut funktioniert.

Genau hier liegt die eigent­li­che Her­aus­for­de­rung: Wenn wir uns inner­halb bekann­ter Mus­ter bewe­gen, ent­steht sel­ten etwas wirk­lich neu, anders oder überraschend.

Die­se Dyna­mik ver­stärkt sich noch, wenn Teams stark in Abtei­lungs­si­los unter­wegs sind. Es wird auch nicht bes­ser, wenn Inno­va­ti­ons­teams aus den eige­nen Rei­hen gebil­det wer­den, um neue Pro­dukt- oder Ser­vice­in­no­va­tio­nen zu ent­wi­ckeln, die die Zukunfts­fä­hig­keit des Unter­neh­mens sicher­stel­len sollen.

Wie kön­nen wir das ändern?

Die­ses Dilem­ma ken­ne ich nur zu gut aus eige­ner Erfah­rung. Im Ver­lauf mei­nes Berufs­le­bens habe ich einen ande­ren Zugang zu Ideen­fin­dung und Pro­zess­ge­stal­tung ent­wi­ckelt. Ich bege­be mich bewusst auf eine ande­re Ebe­ne, zoo­me aus mei­nem Arbeits­be­reich her­aus, um einen grö­ße­ren Blick­win­kel einzunehmen.

Die­ser Ansatz ist weni­ger Metho­de als viel­mehr eine kon­ti­nu­ier­li­che Pra­xis von mir. Es ist eine bewuss­te Ent­schei­dung, den eige­nen Denk- und Wahr­neh­mungs­raum fort­lau­fend zu erwei­tern, bevor eine Fra­ge­stel­lung über­haupt kon­kret bear­bei­tet wird. Irgend­wann bin ich über einen Begriff gestol­pert, der genau das beschreibt, was ich „her­aus­for­de­re“: Serendipity.

Was genau ist Serendipity?

Der Begriff beschreibt nicht ein­fach Glück oder Zufall. Viel­mehr ist ent­schei­dend, uner­war­te­te Beob­ach­tun­gen wahr­zu­neh­men, ernst zu neh­men und dar­aus neue Ver­bin­dun­gen ent­ste­hen zu las­sen. In sei­nem Buch „The Seren­di­pi­ty Mind­set” beschreibt Prof. Dr. Chris­ti­an Busch Seren­di­pi­ty weni­ger als pas­si­ves Glück, son­dern als eine Hal­tung: offen blei­ben, auf­merk­sam sein und Mög­lich­kei­ten erken­nen, bevor sie voll­stän­dig greif­bar sind.

Wie funk­tio­niert Serendipity?

Für mich bedeu­tet das, mich gezielt in Kon­tex­te zu bege­ben, die nichts mit mei­nem unmit­tel­ba­ren Arbeits­feld zu tun haben. Ich suche Gesprä­che und Umge­bun­gen, in denen ande­re Denk­wei­sen und Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten gelten.

Vie­les davon wirkt zunächst zufäl­lig. Tat­säch­lich ent­steht die­ser „Zufall“ für mich aber aus einer kon­ti­nu­ier­li­chen Pra­xis: dem bewuss­ten Ver­las­sen ver­trau­ter Denk- und Wahrnehmungsräume.

Ein unsicht­ba­res Wissensnetz

In kom­ple­xen oder fest­ge­fah­re­nen Situa­tio­nen tau­chen plötz­lich Gedan­ken, Fra­gen oder Bil­der auf, die ihren Ursprung in ganz ande­ren Kon­tex­ten haben. Ver­bin­dun­gen wer­den sicht­bar, die vor­her nicht da waren. Ich grei­fe auf ein unsicht­ba­res Wis­sens­netz zu, das ich per­ma­nent kul­ti­vie­re und das mir durch „Con­nec­ting the Dots“ irgend­wann Ant­wor­ten lie­fert. Dabei ist mir sehr bewusst, dass Lösun­gen nicht line­ar ent­ste­hen, son­dern aus einer Viel­zahl von Ein­drü­cken, die sich im rich­ti­gen Moment neu zusammensetzen.

Des­halb suche ich die­se Per­spek­tiv­wech­sel ganz bewusst. Ich besu­che Aus­stel­lun­gen, die nichts mit mei­nen aktu­el­len Pro­jek­ten zu tun haben, wie bei­spiels­wei­se das Neue Muse­um – Staat­li­ches Muse­um für Kunst und Design in Nürn­berg. Oder ich besu­che Ver­an­stal­tun­gen in ande­ren Dis­zi­pli­nen, z. B. aus dem Stu­di­en­gang Archi­tek­tur, und neh­me an par­ti­zi­pa­ti­ven For­ma­ten (z. B. einem Bar­camp) teil, in denen neue Tech­no­lo­gien oder gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen erör­tert wer­den. Nicht, um sofort ver­wert­ba­re Ergeb­nis­se mit­zu­neh­men, son­dern um mei­nen Blick zu weiten.

Genau des­halb arbei­te ich auch in mei­nen Lear­ning Jour­neys bewusst mit Per­spek­tiv­wech­seln und unge­wöhn­li­chen Erfah­rungs­räu­men. Denn Ent­wick­lung ent­steht für mich sel­ten allein durch Infor­ma­tio­nen, son­dern durch neue Ver­bin­dun­gen im Denken.

Die Vor­tei­le von Serendipity

Aus die­ser Pra­xis her­aus ent­ste­hen für mich meh­re­re Effek­te, die für Gestal­tungs- und Inno­va­ti­ons­pro­zes­se ent­schei­dend sind:

  • Ich ler­ne kon­ti­nu­ier­lich neue Din­ge und hal­te mich selbst in Bewegung.
  • Ich schu­le einen wei­te­ren Blick und kann Situa­tio­nen aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven betrachten.
  • Ich kann die neu­en Erkennt­nis­se und Impul­se mit mei­nen Kund:innen und Teil­neh­men­den tei­len, sodass vie­le partizipieren.
  • Ich erken­ne Mus­ter und kann Ansät­ze aus ande­ren Kon­tex­ten auf mei­ne eige­ne Arbeit übertragen.
  • Ich ver­ste­he mich als akti­ve Mit­ge­stal­te­rin von Veränderung.
  • Und genau dar­aus ent­steht die Mög­lich­keit, Wir­kung zu entfalten.

Fazit

Neue Ideen ent­ste­hen sel­ten im geschlos­se­nen Sys­tem. Sie ent­ste­hen dort, wo Men­schen bereit sind, ihren Denk­raum bewusst zu erweitern.