Wenn Lernen unter KI-Bedingungen kippt

Betriebliches Lernen gerät massiv unter Druck!

Der Ein­satz von Künst­li­cher Intel­li­genz ver­än­dert aktu­ell vie­le Arbeits­pro­zes­se und prägt damit auch die Dis­kus­si­on rund um Ler­nen und Ent­wick­lung. Gleich­zei­tig erfah­ren Kom­pe­ten­zen wie krea­ti­ves Den­ken, Empa­thie und Refle­xi­ons­fä­hig­keit eine neue Auf­merk­sam­keit und wer­den in vie­len Orga­ni­sa­tio­nen als zen­tra­le Zukunfts­fä­hig­kei­ten verankert.

In die­ser Gleich­zei­tig­keit stellt sich eine grund­le­gen­de Fra­ge: Wie las­sen sich genau die­se Fähig­kei­ten eigent­lich entwickeln?

Das Spannungsfeld zwischen Ergebnis und Verstehen

Im Zen­trum steht eine Fra­ge, die vie­le von uns aktu­ell beschäf­tigt: Wie ent­steht Ler­nen in Orga­ni­sa­tio­nen tat­säch­lich, und wodurch ent­wi­ckelt sich Wis­sen, das hand­lungs­lei­tend wird?

Hier zeigt sich ein Span­nungs­feld zwi­schen schnell ver­füg­ba­ren, durch KI erzeug­ten Ergeb­nis­sen und dem lang­sa­mer ent­ste­hen­den, erfah­rungs­ba­sier­ten Begrei­fen. Bei­de Sei­ten tra­gen auf unter­schied­li­che Wei­se zur Ent­wick­lung von Kom­pe­ten­zen bei und ent­fal­ten ihre Wir­kung in jeweils eige­nen Kontexten.

Wäh­rend KI uns dabei unter­stützt, Inhal­te zu struk­tu­rie­ren, Zusam­men­hän­ge sicht­bar zu machen und neue Per­spek­ti­ven anzu­re­gen, ent­steht Ver­ste­hen in dem Moment, in dem wir uns selbst mit Situa­tio­nen aus­ein­an­der­set­zen, Ent­schei­dun­gen tref­fen und deren Kon­se­quen­zen erle­ben – und genau dar­in beginnt die eigent­li­che Lernbewegung.

Geschwindigkeit und Tiefe im Lernen

In vie­len Orga­ni­sa­tio­nen nimmt die Geschwin­dig­keit, mit der wir Infor­ma­tio­nen ver­ar­bei­ten und Ergeb­nis­se erzeu­gen, spür­bar zu. Inhal­te ent­ste­hen schnel­ler, Ana­ly­sen wer­den effi­zi­en­ter erstellt und Ideen las­sen sich in kur­zer Zeit for­mu­lie­ren und weiterentwickeln.

Wenn wir uns aktu­el­le Arbeits­pro­zes­se genau­er anschau­en, zeigt sich dabei ein wie­der­keh­ren­des Mus­ter: Fra­ge­stel­lun­gen wer­den zuneh­mend über KI struk­tu­riert, ers­te Ergeb­nis­se schnell erzeugt und als Aus­gangs­punkt für die wei­te­re Arbeit genutzt.

Das ist ok. Die­se Ergeb­nis­se sind häu­fig anschluss­fä­hig und bie­ten eine gute Grund­la­ge für nächs­te Schrit­te. Gleich­zei­tig zeigt sich im wei­te­ren Ver­lauf, dass sich die Inhal­te nicht immer in glei­cher Tie­fe mit den Betei­lig­ten ver­bin­den. Das Ver­ständ­nis bleibt punk­tu­ell, und die zugrun­de lie­gen­den Zusam­men­hän­ge im Arbeits­pro­zess wer­den nur teil­wei­se wirk­lich durchdrungen.

Die­se Dyna­mik zeigt sich häu­fig zeit­ver­setzt, vor allem in den Momen­ten, in denen Ent­schei­dun­gen anste­hen oder Ansät­ze wei­ter­ge­führt wer­den sol­len. Und genau das ist der Punkt: Hand­lungs­fä­hig­keit setzt mehr vor­aus als ein gutes Ergeb­nis, näm­lich die eige­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit dem, was dahinterliegt.

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Lernen als integraler Bestandteil der Arbeit

Vor die­sem Hin­ter­grund rückt weni­ger das Ler­nen selbst in den Vor­der­grund, son­dern viel­mehr die Fra­ge, unter wel­chen Bedin­gun­gen es im Arbeits­all­tag wirk­sam ent­ste­hen kann. Ler­nen wird zuneh­mend als kon­ti­nu­ier­li­cher Pro­zess ver­stan­den, der eng mit rea­len Her­aus­for­de­run­gen ver­knüpft ist und im Han­deln selbst stattfindet.

In die­sem Kon­text gewinnt erfah­rungs­ba­sier­tes Ler­nen an Bedeu­tung. Es setzt genau dort an, wo wir gestal­ten, Ent­schei­dun­gen tref­fen und Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Wis­sen ent­wi­ckelt sich in der Ver­bin­dung von Anwen­dung, Refle­xi­on und Wei­ter­ent­wick­lung. Es ent­steht weni­ger durch Über­nah­me als durch eige­nes Durchdringen.

Ein Ansatz, der die­se Dyna­mik auf­greift und struk­tu­riert, ist der Inno­va­ti­on Lear­ning Loop. Er beschreibt Ler­nen als einen ite­ra­ti­ven Pro­zess aus Aus­pro­bie­ren, Beob­ach­ten und Reflek­tie­ren und macht damit sicht­bar, wie eng Arbeit und Ent­wick­lung mit­ein­an­der ver­bun­den sind.

Genau an die­ser Stel­le stellt sich die Fra­ge, wie sich die­se Logik in orga­ni­sa­tio­na­le Lern­for­ma­te über­set­zen lässt.

Anforderungen an Lernen in Organisationen

Die Begeg­nung mit neu­en Kon­tex­ten, das gemein­sa­me Erpro­ben von Ideen und die anschlie­ßen­de Refle­xi­on im Aus­tausch grei­fen dabei inein­an­der und machen den ite­ra­ti­ven Cha­rak­ter des Ler­nens unmit­tel­bar erfahrbar.

Die Anfor­de­run­gen an Mit­ar­bei­ten­de, Füh­rungs­kräf­te und Lern­ver­ant­wort­li­che ent­wi­ckeln sich zuneh­mend in Rich­tung eines fle­xi­blen Umgangs mit neu­en und oft unkla­ren Situa­tio­nen. Dabei ent­steht Ori­en­tie­rung häu­fig im Pro­zess selbst und ent­wi­ckelt sich im Zusam­men­spiel von Erfah­rung und Austausch.

Wenn wir auf Orga­ni­sa­tio­nen schau­en, die Ler­nen bewusst gestal­ten, wird sicht­bar, wie stark For­ma­te wir­ken, in denen neue Ideen nicht nur ent­wi­ckelt, son­dern unmit­tel­bar erprobt und gemein­sam wei­ter­ge­dacht wer­den. Ler­nen ent­steht dabei weni­ger als linea­re Abfol­ge und stär­ker als gemein­sa­mer Denk- und Erfahrungsraum.

Gleich­zei­tig rich­tet sich der Blick auf die kon­ti­nu­ier­li­che Wei­ter­ent­wick­lung von Geschäfts­mo­del­len, Pro­duk­ten und Pro­zes­sen, sodass Ler­nen sowohl Impul­se für Inno­va­ti­on als auch für Opti­mie­rung liefert.

Die veränderte Rolle der Personalentwicklung

Damit ver­schiebt sich die Per­spek­ti­ve von Ver­ant­wort­li­chen in der Per­so­nal­ent­wick­lung hin zur Gestal­tung von Lern­räu­men, in denen ver­schie­de­ne Lern­for­men mit­ein­an­der in Bezie­hung tre­ten und sich gegen­sei­tig ergänzen.

Klas­si­sche Unter­schei­dun­gen zwi­schen Wis­sens­auf­bau und Erfah­rungs­ler­nen tre­ten zuneh­mend in den Hin­ter­grund, wäh­rend inte­grier­te For­ma­te ent­ste­hen, die bei­de Dimen­sio­nen mit­ein­an­der verbinden.

Im Zen­trum steht dabei die Fra­ge, wie Lern­pro­zes­se gestal­tet wer­den kön­nen, die Men­schen nicht nur ein­bin­den, son­dern tat­säch­lich in Bewe­gung bringen.

Was ist eine Learning Journey?

Lear­ning Jour­neys las­sen sich als Lern­for­ma­te ver­ste­hen, die gezielt dar­auf aus­ge­rich­tet sind, Ler­nen in rea­le Kon­tex­te ein­zu­bet­ten und als erfah­rungs­ba­sier­ten Pro­zess zu gestal­ten. Im Zen­trum steht dabei eine kon­kre­te Fra­ge­stel­lung aus dem eige­nen orga­ni­sa­tio­na­len Kon­text, die als roter Faden durch die gesam­te Jour­ney dient.

Im Unter­schied zu klas­si­schen For­ma­ten, die Wis­sen struk­tu­riert ver­mit­teln, ent­steht Ler­nen hier in der Ver­bin­dung von Per­spek­tiv­wech­sel, eige­ner Aus­ein­an­der­set­zung und gemein­sa­mer Refle­xi­on. Neue Impul­se wer­den nicht iso­liert auf­ge­nom­men, son­dern im Zusam­men­spiel mit ande­ren ein­ge­ord­net, hin­ter­fragt und weiterentwickelt.

In die­sem Sin­ne grei­fen Lear­ning Jour­neys die Logik des Inno­va­ti­on Lear­ning Loop auf, indem sie Räu­me schaf­fen, in denen Aus­pro­bie­ren, Beob­ach­ten und Reflek­tie­ren mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den und Ler­nen als ite­ra­ti­ver Pro­zess erfahr­bar wird.

Bei­spiels­wei­se kann sich eine Lear­ning Jour­ney in der Per­so­nal­ent­wick­lung ent­lang der Fra­ge ent­fal­ten, wie Lern­for­ma­te gestal­tet wer­den kön­nen, die Betei­li­gung för­dern und gleich­zei­tig in Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen wirk­sam wer­den. Hier kön­nen Impul­se bewusst hin­ter­fragt, pro­vo­ziert und kura­tiert werden.

Eine Lear­ning Jour­ney in der Per­so­nal­ent­wick­lung kann sich bei­spiels­wei­se ent­lang der Fra­ge ent­fal­ten, wie Lern­for­ma­te gestal­tet wer­den kön­nen, die Betei­li­gung för­dern und gleich­zei­tig in Ver­än­de­rungs­pro­zes­sen wirk­sam werden.

Im Ver­lauf der Rei­se ent­steht ein Lern­pro­zess, in dem bestehen­de Annah­men bewusst hin­ter­fragt, erwei­tert und teil­wei­se auch infra­ge gestellt wer­den. Die Fra­ge­stel­lung dient dabei als Ori­en­tie­rung und Aus­gangs­punkt für die Aus­ein­an­der­set­zung mit neu­en Perspektiven.

Die Impul­se wer­den so kura­tiert, dass sie unter­schied­li­che Blick­win­kel eröff­nen und bestehen­de Denk­wei­sen her­aus­for­dern. Dazu gehö­ren bei­spiels­wei­se Vor­trä­ge, Meet­ups mit ande­ren Per­so­nal­ver­ant­wort­li­chen, Pod­casts oder Trend­ana­ly­sen. Die­se wer­den nicht iso­liert betrach­tet, son­dern immer wie­der in Bezug zur eige­nen Pra­xis gesetzt.

Ent­schei­dend ist, dass die­se Impul­se nicht auf der Ebe­ne der Inspi­ra­ti­on ste­hen blei­ben, son­dern auf ihre Anwend­bar­keit hin reflek­tiert und in kon­kre­te Fra­ge­stel­lun­gen für den eige­nen Kon­text über­setzt wer­den. Ler­nen ent­steht in die­sem Pro­zess aus der akti­ven Aus­ein­an­der­set­zung, dem Abgleich mit eige­nen Erfah­run­gen und dem bewuss­ten Weiterdenken.

Gera­de in die­ser bewuss­ten Irri­ta­ti­on ent­steht häu­fig der Moment, in dem sich neue Per­spek­ti­ven nicht nur zei­gen, son­dern tat­säch­lich ver­stan­den werden.

Peer Exchange als Weiterentwicklung der Learning Journey

Ein Ansatz, der die­se Ent­wick­lung auf­greift, besteht in der Wei­ter­ent­wick­lung klas­si­scher Lear­ning Jour­neys zu For­ma­ten, die einen stär­ke­ren Fokus auf Aus­tausch, Co-Krea­ti­on und unmit­tel­ba­re Erfah­rung legen.

Der Peer Exch­an­ge, häu­fig auch als PEX bezeich­net, baut auf den Grund­la­gen koope­ra­ti­ven und sozia­len Ler­nens auf und ver­bin­det die­se mit einem kla­ren Fokus auf rea­le Fra­ge­stel­lun­gen aus dem Arbeitskontext.

Hier ent­steht Ler­nen im Zusam­men­spiel von Per­spek­tiv­wech­sel, Begeg­nung mit neu­en Kon­tex­ten und gemein­sa­mer Refle­xi­on. Durch die akti­ve Betei­li­gung aller Teil­neh­men­den ent­wi­ckelt sich ein sozia­ler Lern­pro­zess, der über die indi­vi­du­el­le Ebe­ne hin­aus­wirkt und Impul­se in die Orga­ni­sa­ti­on zurückträgt.

Bedeutung für Organisationen

In einer Arbeits­welt, in der Wis­sen jeder­zeit ver­füg­bar ist, gewinnt die Qua­li­tät von Erfah­run­gen zuneh­mend an Bedeu­tung. Ler­nen ent­wi­ckelt sich zu einem Pro­zess, in dem es dar­um geht, Infor­ma­tio­nen in hand­lungs­lei­ten­des Wis­sen zu über­füh­ren und dar­aus Ori­en­tie­rung für zukünf­ti­ge Situa­tio­nen zu gewinnen.

Orga­ni­sa­tio­nen, die Ler­nen eng mit der Arbeit ver­bin­den und Räu­me für Erfah­rung, Aus­tausch und Refle­xi­on schaf­fen, stär­ken damit ihre Fähig­keit zur kon­ti­nu­ier­li­chen Weiterentwicklung.

Fazit

Die zuneh­men­de Ver­füg­bar­keit von Künst­li­cher Intel­li­genz ver­än­dert die Rah­men­be­din­gun­gen von Ler­nen und eröff­net neue Mög­lich­kei­ten im Umgang mit Wissen.

Gleich­zei­tig rückt die Ent­wick­lung von Ver­ständ­nis, Erfah­rung und Refle­xi­ons­fä­hig­keit stär­ker in den Mittelpunkt.

In die­ser Ver­bin­dung ent­steht ein Ver­ständ­nis von Ler­nen, das Geschwin­dig­keit und Tie­fe mit­ein­an­der ver­knüpft und Men­schen dabei unter­stützt, sich in einer sich wan­deln­den Arbeits­welt zu ori­en­tie­ren und wirk­sam zu handeln.

Genau in dem Moment, in dem wir begin­nen, Situa­tio­nen selbst zu durch­drin­gen und dar­aus unser eige­nes Ver­ständ­nis zu ent­wi­ckeln, liegt der Unter­schied zwi­schen schnel­len, KI-getrie­be­nen Ergeb­nis­sen und trans­for­ma­ti­vem, erfah­rungs­ba­sier­ten Lernen.